Was gewesen ist: Woche 8 (2018)

Um hier nicht unnötig zu langweilen, sei nur kurz erwähnt, dass die nun fast vergangene Woche vor allem mit allerlei Meetings begann, mit mehr oder minder nötigen Treffen, die strahlende Zukunft von Dandy Diary betreffend. So machten wir zum Beispiel einen Skype-Call, für den ich mir eigens diese 15 Jahre alte digitale Kreidezeit-Technologie aufs doch eigentlich so viel smartere Phone laden musste, wir besiegelten per Verbeugung einen Mietvertrag mit einem asiatischen Gastronomie-Tycoon, ließen uns auf einen gedeckten Apfelkuchen einladen, und so weiter.

Die Berlinale und alles damit assoziierte schwänzte ich. Dabei hätte ich mir, das ist mir allerdings erst im Nachhinein klargeworden, doch so gern die extrem zwielichtige Charity-Veranstaltung “Cinema for Peace” angeschaut. Nun gut, so der liebe Herrgott will, wird sich sicher irgendwann nochmal die Chance dazu ergeben. Halbseidene Wohltätigkeit kommt schließlich nie aus der Mode.

Erst am Mittwoch klarte die Woche dann langsam auf und ich traf erst mittags meinen Freund Moritz von Uslar bei unserem Stammitaliener gegenüber der Milfhalle am Gipsdreieck hier in Mitte und später dann die Regisseurin Christel Buschmann in der Paris Bar und wir sprachen, der Berlinale angemessen, über den Film und einander.

Ich blieb gerade so kurz, dass es nicht lang wurde, in der Paris Bar, da ich am folgenden Tag einen zu frühen Flug, die Amerikaner nennen es “Red Eye Flight”, es war allerdings eher ein “No Eye Flight”, nach Frankfurt nahm, von Tegel wohlgemerkt, dem schönsten Flughafen der ganzen Welt.

In Frankfurt aß ich gleich zwei mal die lokale Köstlichkeit “Grüne Soße”, laß sämtliche im Hotel ausliegenden Zeitungen (drei davon kamen aus Frankfurt), ging in den gewohnt spärlich ausgestatteten Hotelfitnessraum, spazierte bei blauem Himmel und Sonnenschein durch das Bahnhofsviertel, mit seinem Mix aus Junkie-, Migranten- und Rotlichtkultur, und hatte immer noch erst den halben Tag rumgebracht: so früh war ich also geflogen.

Mittags traf ich meinen Freund David Gergely, der mir einige höchst interessante Immobilien zeigte, für den Fall, dass wir unser Geschäft bald nach Frankfurt expandieren würden, und dann tranken wir mit Blick auf die sonnenbeschienene Oper einen Kaffee, es war mein zehnter an diesem Tag, und Frankfurt war schön wie nie. Zwei, drei weitere Meetings folgten, mit der evangelischen Kirche und einer neuen Mitarbeiterin, und dann jungleten wir, mein Partner David war mittlerweile ebenfalls in Frankfurt angekommen, hinüber in die Schirn Kunsthalle, wo doch am Abend unsere große Eröffnungsparty des “Crown Clubs”, eines Nachtclubs, der eigens für die aktuelle, sehr sehenswerte, weil toll kuratierte und beschriebene Basquiat-Ausstellung und natürlich uns in das Museum hineingebaut worden war.

Der Hamburger Rapper Joey Bargeld machte gerade Soundcheck und wie er da so stand, mit dem Antlitz eines bulgarischen LKW-Fahrers und über die Liebe sprechsang, wusste ich: er war die richtige Wahl für diesen Abend.

Pünktlich um 19 Uhr strömten dann tatsächlich Besuchermassen ins Museum und in unseren kleinen Club, sodass schon um 20 Uhr der erste Einlassstopp war, während es drinnen die blutjunge Frankfurter Ignaz Crew um DJ Joel jucken ließ und extremst moderne Boygroupmusik spielte. Später, als ich mich vor den Massen auf einen im Club stehenden Papageienkäfig aus purem, schwarz lackierten Eisen rettete, erzählte dann Joey Bargeld seine Geschichten zu bassigen Beats, die die angemietete Soundanlage an ihre Grenzen und ein wenig auch darüber hinaus brachten. Später spielte dann noch die von uns aus Berlin mitgebrachte Olive Duran – und alle waren sehr glücklich. Ich allerdings erst, als ich nach stundenlangem Irrweg durch die weiten Flure des Museums und hinter diversen selbstschließenden Feuer- und Notausgangstüren dann endlich unseren fahlgrauen Backstage-Raum fand und damit auch alle Freunde, die sich hier Drinks mischten, unterhielten, Lieder und ein gutes Leben vorspielten. Im Club war es einfach zu eng geworden, zu heiß und die Bar zu voll, also blieben wir in diesem sich immer weiter füllenden Raum, bis ganz zum Schluss, weit nach der Geisterstunde.

Am Freitag flogen Gia und ich zurück nach Berlin, feierten abends den Abschied meines lieben Schulfreundes Zin Juan Klaft, der doch bald nach Boston gehen würde, um an einem dort ansässigen Institut die Hirnforschung zu revolutionieren, damit wir alle nicht irgendwann alles vergessen, was gewesen ist. Im Prinzip arbeitet er also an dem selben Projekt, wie auch ich es tue, nur eben mit einem anderen Ansatz.

Das Wochenende kam, das sich von meiner Arbeitswoche natürlich nicht ein Stück unterscheidet, ich traf Paul Ronzheimer zum Kaffee, der mich auf den neuesten Stand des Ministerpostengeschachers brachte, äußerte mich kurz ein bisschen zu negativ über die plumpe patriotische Rede des grünen Superstars Cem Özdemir, freute mich über das Portrait Annegret Kramp-Karrenbauers in der sozialisitschen Tageszeitung “Neues Deutschland”, trank Kaffee, ging gleich drei mal zum Sport, ließ mir von Tak Yen seine neue Kneipe (Eröffnung: März) in Neukölln zeigen und reichlich asiatische Köstlichkeiten in seinem direkt daneben gelegenen Restaurant “Dr. To’s” kredenzen und lebte schlicht das gute Leben.

Category: Die Woche: was gewesen ist

Von: Carl Jakob Haupt

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