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Mode und Fußball befruchten sich gegenseitig – häufig auch im wahrsten Sinne des Wortes. Bandenwerbung für Luxusmarken ist längst kein Novum mehr und seit David Beckhams Pionierarbeit gehören Fußballer zu den gefragtesten Werbeträgern für Fashion und Pflegeprodukte. Was zu Zeiten des Vokuhilas als Fußballermarkenzeichen undenkbar war, ist längst Realität da Hugo Boss als Nachfolger von Armani die Freizeitausstattung des FC Bayern München übernimmt. Dabei waren Spieler schon immer – geplant oder nicht – stilprägend. Emotionale Einblicke in Arbeit und Privatleben, “a bissl Geld, a bissl Sex, a bissl Tragik und a bissl Traum”, neue Nationalhelden, die Urform des Influencers.

 

Während sich die Spieler erst seit der Jahrtausendwende für Mode interessieren und zumindest außerhalb des Platzes den Track Suit gegen einen sorgfältig vom Stylisten zusammengestellten Anzug tauschen, interessieren sie sich schon immer für Models. Früher wie heute schadet “Influence” auch der Modelkarriere nicht und so ist dies der häufigste Beruf unter Spielerfrauen, teils Ursache, teils Konsequenz der Beziehung. Wer als junger Fußballgott nicht mit seiner Jugendliebe zusammenbleibt, nimmt am Wettbewerb um das schönste Mädchen auf der Ehrentribüne teil, denn die Frau ist als Statussymbol des Spielers fast ebenso bedeutend, wie dessen Torbilanz.

Neben Close Ups auf ebenmäßige, spielstandsabhängig freudestrahlende oder weinende Gesichter und Begleitung zu Abendveranstaltungen beschränken sich die Aufgaben der Spielerfrau in ihrer Kernfunktion darauf emotionalen Rückhalt zu bieten. Dass „größte Stütze in meinem Leben“ und Ähnliches möglicherweise nicht nur leere Phrasen sind, verdeutlichte zuletzt das Spiegel interview mit Per Mertesacker. Das Klischee Spielerfrau als bloßes Anhängsel entspricht zwar einer Geisteshaltung, die hoffentlich mit den Lothar Matthäusen der Branche ausstirbt, wird aber medial nach wie vor gerne ausgeschlachtet.

Grund dafür sind unter anderem die Lebensgefährtinnen Lothar Matthäus’ und seiner Teamkollegen der 90er. Als der Fußball noch härter, die Feiern exzessiver und die Frauen mehr und bunter und alle Fußballkultur im Grunde ein unbeschwertes Fest der Leichtigkeiten ohne Eintrübung durch moralische Hinterfragung eines WM Ortes war. Hier prägten die Claudia Effenbergs und Bianca Illgners durch Skandale, und in ihrer Geschmacklosigkeit erinnerungswürdige Outfits das Bild der Spielerfrau als boulevardbekannte, knallharte Interessenvertretung des Spielerboys.

 

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Spätestens Victoria Beckham hat erkannt, dass Aufmerksamkeit und Skandallust der Medien nicht nur ein unangenehmer Nebeneffekt des Luxuslebens an der Seite eines jungen Neureichen sind, sondern auch wertvolles Kapital um eigene Interessen zu vertreten. Als der Stern von Posh Spice zu sinken begann, kamen Popularität, allgemeines Interesse und Teilhabe am überhöhten Spielergehalt gerade recht, um „Victoria Beckham“ zu gründen und sind offenbar noch heute nötig, um die Marke am Leben zu halten.

Weitere Beispiele für die symbiotische Beziehung von Spieler und Spielerfrau sind Lena Gercke und Sylvie Meis (ehemals van der Vaart), deren Tätigkeiten als Model und Moderatorin zwar nachhaltiger erfolgreich sind, als ihre Partnerschaften, aber die ohne diese wohl einen schwereren Weg hätten gehen müssen.

Diese Frauen sind offenbar auch einem Teil des aktuellen Kaders der Spielerfrauen Vorbild. Obwohl einige lieber auf ein Studium setzen, um einer späteren Teilnahme im Dschungelcamp oder bei Shopping Queen vorzubeugen, gibt es auch aktuell genügend ambitionierte Partnerinnen, die das Spielerfrau Dasein als Geschäftsmodell begreifen und als Option die Zeit zwischen den WMs zu füllen. Die Selbstvermarktung ist heute einfacher denn je. Während es früher noch einer eigenen Schmuckkollektion oder Modelinie bedurfte, reicht es jetzt völlig auf Instagram vom eigenen Luxusleben zu berichten, um aus der Popularität des Mannes Kapital zu schlagen. Die moderne Spielerfrau ist Influencer.

Hinter den mittlerweile Instamoms Ann Kathrin Brömmel und Cathy Hummels, die bereits alle Peinlichkeitsstufen erklommen haben (inklusive Style Tagebuch bei der WM), macht sich eine neue Riege bereit das Spiel zu übernehmen. Lisa Weidenfeller, Sarah Richmond und Scarlett Gartmann sind die Namen der Girls, deren Anwesenheit bei Fashion Shows ebenso verwundert, wie ihre Follower Zahlen auf Instagram, bis man zwischen gesponserten Fotos von Laufoutfits, Inneneinrichtung, Healthy Food und Hunden auf dem 4. oder 5. Bild einen bekannten Fußballer entdeckt. Exzess, Haltung oder gar Inhalt sucht man hier vergeblich.

Sie haben die Gunst der Stunde erkannt, den eigenen Namen zu platzieren als aufmerksamkeitsökonomisches Beiboot im Fahrwasser des unsinkbaren Flaggschiffs Fußball, bevor in den P1en der Republik Ersatz gefunden wird. Denn die Position an der Seite eines Spielers ist wohl ebenso begehrt, wie die auf dem Rasen.

Ana Ivanovic hat ihren eigenen Platz auf dem Rasen, sie ist nicht nur Spielerfrau sondern auch Spielerin und damit auch bei Instagram erfolgreicher als die anderen. Wäre Schweini nicht selbst eine Legende, wäre sie die erste mit einem Spielermann und das wäre doch mal eine schöne Abwechslung.

Category: News

Tags: fussball, Influencer, Spielerfrau, WaG

Von: Paula Doenecke

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