Mode im Deutschrap

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NUR NOCH GUCCI BRATAN #TEAMKUKU

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Der Hip Hop war – bis auf kurze Phasen – schon immer von Statussymbolen geprägt:

Hotte Chicks, gepanzerter AMG, Breitling am Handgelenk. Auch die Mode bleibt von diesem Sich-Behaupten-Wollen natürlich nicht aus und musste in den Musikvideos US-amerikanischer Rapper schon so einiges mit machen. Schwere Goldketten um den Hals, furchteinflößende Schlagringe an den Fingern, tief sitzende Baggy Pants, die nur bedürftig von einem Bling-Bling-Gürtel an den Hüften gehalten werden. Das übliche eben.

Mode funktioniert im Hop Hop vor allem als Platzhalter: Für Geld, Erfolg, Macht. Raus aus dem Ghetto, aus der schwierigen Kindheit, den sozialen Missständen –  bis nach ganz oben. Man hat es geschafft, all den Ruhm, sich selbst hart erarbeitet.

Doch, auch wenn die Mode im Hip Hop schon immer eine Rolle gespielt hat, gibt es seit ein paar Jahren ein neues, bemerkenswertes Szenario zu beobachten: die Größen des Hip Hop Business widmen sich in ihren Tracks einer Marke, welche dann in Dauerschleife genannt wird:

„Versace Versace“, rappen die MIGOS. A$AP Rocky will nicht dass man seine Raf Simons „touched“ und Lil Pump bringt weltweit die Massen mit „Gucci Gang, Gucci Gang Gucci, Gang Gucci Gang“ zum tanzen.

Und auch hierzulande scheint man erkannt zu haben, dass der Fokus auf eine Marke – die Hommage als Repeat-Version – lohnenswert ist:

Von Lil Pump’s Lieblingsbrand handelt auch ein Mitte letzten Jahres veröffentlichter Hit von Capital Bra. Der in Sibirien geborene Vladislav Balovatsky rappt darin, dass er ab jetzt „nur noch Gucci, Bratan, nur noch Gucci“ trägt, während er am Kuhdamm mit seinem Ferrari entlang fährt und „Bitches guckt“. Vladi ist jetzt ganz oben, von Head-to-Toe in GUCCI,  mit den hotten Girls im Arm. Ob Capital Bra weiß, wer Alessandro Michele ist? Wir bezweifeln das mal.

Auf den ersten Blick scheint es, als hätte die deutsche Rap-Szene einen differenzierteren Blick auf die herrschende Mode geworfen. Schließlich erlebt Gucci mit Michele gerade DEN Umbruch, von der eingestaubten Marke der Upperclass, hin zum It-Label der “Cool Kids”, mit origineller, einzigartiger Ästhetik.

All das wird dem “Bratan” nicht allzu wichtig sein. GUCCI steht für ihn für Money & Fame. Als Symbol für den Aufstieg.  So„high ist als würde er unter Wasser rappen.“ Der Bezug zur Mode – nichtssagend, oberflächlich, Mittel zum Zweck.

„Scheiß auf Dolce & Gabbana, ja. Gib mir, gib mir Balenciaga, ja. Balenciaga, gib mir Balenciaga. Keiner gönnt mir meinen Erfolg. Leider hab’ ich’s so gewollt, ja.“ ruft UFO 361 während er in einer grün ausgeleuchteten, verlassenen Halle steht, in der Hand eine Daunenjacke von BALENCIAGA. Ufuk, so der richtige Name des Kreuzberger Rappers, macht gleich einen ganzen Track über sein neues Lieblings-Label.

Bisschen spät dran mit BALENCIAGA der gute UFO. Er wirkt wie der neureiche Junge auf dem Schulhof, dem man zu spät gesagt hat, welche Marke gerade so geht. Der Tripple S – der Kult-Sneaker von Balenciaga – wirkt an den Füßen von UFO so deplatziert, wie eine “Face Tattoo” im Gesicht von Helene Fischer.

Man denkt an die treffenden Zeilen von seinem Dortmunder Rap-Kollegen “Rapper heutzutage sind nur Modeblogger” (Track: “Kokaina”) – UFO361 reiht sich ein: Marina the Moss oder Marie von Behrens tragen die pink schwarzen Balenciaga-Sneaker zu Röhrenjeans und Sonnenbrille, gucken starr in die iPhone Kamera, durch die ihre Boyfriends die #ootds der Girls einfangen.

🚲 #Milan

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Einem Protagonist der deutschen Rap-Szene, dem man – im Gegensatz zu Ufuk – tatsächlich abkauft ernsthaft Ahnung von Mode zu haben, nicht nur viel zu spät alles nach zu blabbern, ist RIN. Der Rapper mit den Grillz und geflochtenen Zöpfen besang schon frühzeitig auf diversen Tracks glaubhaft die Mode: „Blackout“ dreht sich darum, wie er Gosha Longsleeves trägt. Dass er sich um zwölf Supreme kauft. Auf seinem Track „Colette“ geht er zum französischen Conceptstore. Und in “Doverstreet Market” mal wieder um Gosha: „Ich kaufe eineinhalb tausend Euro Gosha Rubchinsky, mit der Kohle von Shindy.“

In einem aktuellen Interview mit der VOGUE nennt Rin ALYX als sein aktuelles Lieblingslabel. Der Mann kennt sich aus. Daher durchaus “real”, dass er über Mode rappt. Man wünscht sich, dass die anderen Künstler des Genres sich wieder den Themen widmen, mit denen sie sich wirklich auskennen. Alles andere nicht authentisch.

Und im Hip Hop geht es doch um Realness. Oder?!

Category: News

Tags: Balenciaga, Deutschrap, Gucci, Rin, supreme, Ufo361

Von: Angelika Watta

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