Erfolgsmodell GmbH

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Gmbh Spring / Summer 2018 Campaign

Das Berliner Label GmbH ist ein Paradebeispiel dafür, wie sehr es in der Modewelt auf gute Connection, die richtige Strategie, Image und Konzept ankommt. Gutes Design ist nur ein Puzzlestück auf dem Weg zur erfolgreichen Modemarke – mehr nicht.

Bevor Serhat Işık, einer der “GmbH” Macher, höchst erfolgreich gemeinsame Sache mit Benjamin Huseby machte, entwarf der Modedesign-Absolvent der Uni Weißensee mit überschaubaren Erfolg für sein eigenes Label (“Serhat Işık”). Gutes, zeitgemäßes Design, fraglos, doch weit entfernt von Paris und euphorischen Berichten in der New York Times. Ihm drohte ein Schicksal, wie vielen Berliner Modemachern: ein jahrelanges vor sich hindümpeln.

Doch es sollte anders kommen: 2015 lernten sich Işık, ein Deutscher der ersten Generation mit türkischen Eltern, und Huseby, halb Norweger halb Pakistani, auf einer der endlosen Berliner Techno-Nächte kennen. 2016 gründeten sie “GmbH”. Die Kurzform von “Gesellschaft mit beschränkter Haftung” – ein bewusst vage gewählter Name. Die Mode, so die Macher, sollte im Vordergrund stehen.

Drei Monate nach Gründung, in Rekordzeit, kam es zu einem ersten Bericht auf Dazed, einem Medium, für das Huseby zuvor als Fotograf gearbeitet hatte. “GmbH is the fashion collective born on Berlin’s Dancefloors”, so titelte Dazed. Sie beschrieben die Relevanz des Kollektivs. Ideen, so Huseby, holen sie sich von ihrem Leben und Freundeskreis in Berlin und natürlich den Club- und Technotanzflächen.

Die Kraft des Kollektiv, die simple Namenswahl –  man kann hier durchaus gewissese Paralleln zu dem 2014 gegründeten Pariser Label “Vetements” (frz. Kleidung) sehen. Doch “GmbH” hat in den letzten Jahre eine einzigartige Welt erschaffen, welche ihnen bereits zweimal die Nomierung für den prestigeträchtigen LVMH Preis und unzählige, wohlwollenden Artikel in der internationalen Fachpresse einbrachte.

Man machte von Anfang an einen weiten Bogen, um die seit Jahren mit Image-Problemen kämpfende Berlin Fashion Week, ging gleich nach Paris, um so von Beginn als internationale Marke wahrgenommen zu werden. Die Strategie sollte sich auszahlen.

Das Kollektiv GmbH

Die wohlverdiente Aufmerksamkeit GmbHs liegt vermutlich weniger an der im Streetwear oft gesehenen klobigen Silhouette der geschlechtsneutralen Kleidung. Wuchtige Hosenbeine und Jackenärmel, werden hier trendbewusst mit taillierten Hosenbünden und hautengen Oberteilen kontrastiert.

Wahrscheinlicher ist, dass die in den Kollektionen vorhandene Synergie der inter-kulturellen Referenzen der Macher und ihres Freundeskreis mit den der Underground-Klubszene Berlins, Neugierde beim internationalen Publikum weckt.

Die neue Raveruniform à la GmbH zeigt Motorcross inspirierte Oberteile im Patchwork mit skandinavischen Wollstrickmuster, türkischen Ringkampfhosen und gepolsterten Fleecehoodies.
Das liest sich zuerst befremdend, optisch und auf dem Laufsteg machen die eigenwilligen Kombinationen jedoch durchaus was her.

GmbH SS18 at @doverstreetmarketlondon

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Zwischen modernen und funktionalen Kleidungsstücken wie Kompressionsshirts mit abstrahierten Brennnesselblätter als Wappen, gibt es in den Kollektionen auch geschneiderte Anzüge im Metalllook – eine Hommage and Isiks Vater und Großvater. Diese waren Gastarbeiter und haben sich in Ihrer Freizeit mit Anzügen in Schale geworfen. Die Wahl der unscheinbaren Brennnessel als wiederkehrendes Motiv in der aktuellen Kollektion begründet Isik als Metapher für die Immigranten in Deutschland: beide sind trotz der oft beschwerlichen Bedingungen überall in der Stadt zu finden.

Abgesehen von der vielschichtigen kulturellen Symbolik von Wikingerrüstungen und arabischen Ornamenten als Akzente, macht GmbH auch politische Aussagen mit ihren Kollektionen. Die Marke bezieht Materialien für ihre Kreationen von Rest- und Lagerbeständen aus Premium- Textilfabriken in Mailand und geben damit der Überproduktion mit qualitativer Street- und Clubwear kontra.

Ebenso setzen sich die Macher von “GmbH” mit ihrer Auswahl von Models für den Laufsteg, Kampagnen und Lookbooks für mehr Repräsentation von ethnischer Vielfalt ein. Die letzte GmbH-Modenschau war daher eine multikulturelle Parade von zu gleichen Teilen hageren, androgynen, muskulösen und maskulinen Figuren mit düsteren Blicken und tiefen Augenringen. Die meisten waren Freunde des Kollektivs und kaum ein Model ohne Migrationshintergrund. Gepaart mit den voluminösen Schnitten der Kleidung in leicht zu kombinierenden Winterfarben wie Khaki, Navy, Grau und Beige, war es eine Ansammlung wie man sie auch unter den Strobolichter der Technobunker Berlins begegnen würde.

Die Handschrift von GmbH trägt somit eine unverkennbare Urbanität und Auseinandersetzung mit Identität von jungen Menschen, obgleich bezüglich ihrer Herkunft oder Sexualität. Unter dem Schirm von kontemporärer Raverkultur entstehen Vinylhosen, metallisch glänzende Blazer und silberne Netzhemden. GmbHs Kleidung sind tragbare Sozialkommentare und haben somit Potential sich zur Standart-Ausgehgarderobe in der Hauptstadt zu mausern. Außerdem, wer geht nicht gern in Vinylhosen feiern?

Category: News

Tags: Benjamin Huseby, GmbH, Serhat Isik

Von: Thao Le Minh

Fotografien:: Benjamin Huseby

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